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Gyrobekämpfung - Information auf Deutsch

Hier finden Sie Informationen bezüglich

  1. des Lachsparasiten Gyrodactylus salaris,
  2. der Ausrottungsanstrengungen, die in vier Flüssen in der Drivaregion durchgeführt werden,
  3. was Sie tun können um die Verbreitung des Parasiten zu vermeiden,
  4. und der Zukunft der Angelei in dieser Region.

 

Zusammenfassung:

  • Gyro ist ein Parasit, der auf Junglachsen lebt und diese bei lebendigem Leibe frisst
  • Gyro ist eine eingeschleppte Art und hat sich seit über 30 Jahren in der Drivaregion etabliert
  • Die norwegische Regierung hat Gyro schon in 33 von ursprünglich 50 infizierten Flüssen ausgerottet (Stand: Oktober 2017)
  • Eine chemische Lösung namens „CFT Legumine“, die als Wirkstoff Rotenon enthält, wurde fast ausschließlich zur Behandlung infizierter Flüsse eingesetzt, aber andere Methoden sind in der Entwicklung
  • Alternative Behandlunngsmetoden beinhalten entweder Aluminiumsulfat oder klorhalige Lösungen
  • Bis jetzt ist noch nicht bestimmt welche Methode in der Drivaregion eingesetzt wird
  • Im Fluss Driva wurde eine Fischsperre 25 km flussaufwärts von der Meeresmündung errichtet
  • Diese Fischsperre wird die chemische Behandlung des Flusses sehr erleichtern
  • Meerforellen, die bis zur Fischsperre hochwandern, werden genetisch getestet, desinfiziert und oberhalb der Fischsperre wieder ausgesetzt
  • Driva-Lachse, die bis zur Fischsperre hochwandern, werden genetisch getestet, desinfiziert und dienen dann dem zukünftigen Besatzprogramm
  • Alle Junglachse oberhalb der Fischsperre sind nach maximal sechs Jahren ins Meer ausgewandert, und dadurch gibt es in der oberen Strecke keine Gyro mehr
  • Nach diesen sechs Jahren werden sowohl der untere Teil der Driva, als auch die Nachbarflüsse Litldalselva, Usma und Batnfjordselva in den zwei darauffolgenden Jahren chemisch behandelt
  • In den folgenden fünf bis sechs Jahren wird das Besatzprogramm in diesen Flüssen durchgeführt
  • Gleichzeitig werden diese Flüsse jährlich auf Gyro untersucht
  • Die norwegische Regierung wird unter Umständen die Möglichkeiten für ein eingeschränktes Angeln in der oberen Driva-Strecke zur Verfügung stellen können
  • Falls Gyro in diesen fünf bis sechs Jahren nicht gefunden wird, können die Flüsse in der Drivaregion wieder als gesund erklärt werden
  • Vom Beginn bis zum Ende der ganzen Behandlung vergehen 13 bis 14 Jahre bevor die Fischsperre wieder geöffnet werden kann
  • Es wäre nicht klug die Fischsperre sofort nach dieser Zeit einzureißen da eine gewisse Gefahr besteht, dass die Infektion zurückkehrt solange es infizierte Flüsse in Norwegen gibt

1. Information über Gyrodactylus salaris (ugs. Gyro, Lachstöter)

G. salaris ist ein kleiner Saugwurm von nur einem halben Millimeter Größe. Mit seinen Krallen klammert er sich auf Junglachsen fest und frisst deren Haut auf. G. salaris ist sehr vermehrungsfähig, und auf einem Junglachs können sich bis zu 10.000 Tiere entwickeln, bevor der Fisch daran stirbt. Dieser Parasit wird in Norwegen oft „Lachstöter“ oder einfach nur „Gyro“ genannt.

Gyro

Die Auswirkungen dieser Infektion auf den Lachs sind so ernst, dass in den infizierten Flüssen der gesamte Bestand vernichtet werden kann. Wenn wir nichts tun, könnte es mit dem Wildlachsangeln in Norwegen bald vorbei sein! Daher ist es sehr wichtig, dass alle, die sich an oder auf Flüssen und anderen Binnengewässern aufhalten, wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Wir müssen alle unseren Teil dazu beitragen, dass sich der Parasit nicht auf weitere Flüsse ausbreitet.

Nesten død laks

G. salaris ist wahrscheinlich seit langem in die Ostsee mündenden Flüssen in Finnland und Russland, möglicherweise auch in Ost-Schweden, zu finden. Der Ostsee-Lachs verträgt den Parasit anscheinend besser als unserer. In Norwegen wurde der Parasit erstmals 1975 nach dem Import schwedischer Besatzfische nachgewiesen. In der Drivaregion kommt der Parasit in vier Flüssen vor: Driva, Litldalselva/Litjdalselva, Usma und Batnfjordselva. Gyro wurde in dieser Region zum ersten Mal im Jahr 1980 nachgewiesen. Es ist anzunehmen, dass der Parasit schon in den 1970-er Jahren in den Flüssen Driva und Litldalselva zu finden war, da im Sommer 1975 Gyro in einer nahegelegenen Forschungseinrichtung gefunden wurde, die ihr Wasser vom Fluss Litldalselva bezog und ihr Abwasser nahe der Flussmündung einleitete.

Der Parasit kann durch Fische, Ausrüstung und Wasser aus verseuchten Gewässern und Zuchtanlagen übertragen werden. Meistens hat sich der Parasit in Norwegen mittels infizierter Fischen verbreitet, die in neue Gewässer um- oder ausgesetzt wurden. Allerdings können auch Gegenstände den Parasiten übertragen, wenn sie in mehreren Gewässern benutzt werden. G. salaris kann in feuchter Umgebung mehrere Tage überleben, beispielsweise in Plastiktüten, auf totem Fisch, in Verpackungsmaterialien und Gegenständen wie Wathosen, verschiedenen Netzen, oder Angelschnur. Nicht nur Angelausrüstung kann die Krankheit übertragen, sondern alles, was wir im und am Süßwasser benutzen: Schlauchboote, Luftmatratzen, Kanus und Kajaks. Aber G. salaris ist nicht besonders schwierig zu überlisten – wenn man sich richtig verhält.

 

2. Ausrottung von Gyro in der Drivaregion

Die Driva ist ein großer Fluss wo Lachse und Meerforellen ca. 100 km flussaufwärts schwimmen können. Der obere Teil des Flusses ist teilweise schwer zugänglich, was die Behandlung des ganzen Flusses erschwert. Deswegen wurde beschlossen, einen Damm (eine sogenannte Fischsperre) ca. 25 km flussaufwärts von der Mündung zum Meer zu errichten. Diese Fischsperre soll verhindern, dass Lachse und Meerforellen ungehindert in die obere Flussstrecke wandern können. Da der Parasit den Lachs als Wirt braucht und ohne ihn nicht langfristig überleben kann, stirbt der Parasit nach ein paar Jahren oberhalb der Fischsperre aus. Dies wird etwa sechs Jahre dauern, da nach dieser Zeit alle Junglachse, die in der oberen Strecke herangewachsen sind, ins Meer als sogenannte Smolt abgewandert sind. Ohne Lachs - kein Parasit! 

Nach diesen sechs Jahren befindet sich der Parasit also nur noch in den unteren 25 km des Flusses. Diese Flussstrecke, mit all ihren Seitenbächen, wird nach dieser sechsjährigen Wartezeit chemisch behandelt. Welches Mittel dazu benutzt wird, ist noch nicht festgelegt. Heutzutage wird in fast allen Fällen eine Lösung eingesetzt, die als Hauptwirkstoff Rotenon beinhaltet. Rotenon kommt natürlich in manchen Hülsenfrüchten vor und wird schon seit langem von Fischern in Papua-Neuguinea, Mexiko, Ecuador und Brasilien zum Fischfang eingesetzt. Rotenon ist für Fische giftig, betäubt diese zuerst, und treibt sie an die Wasseroberfläche. Heutzutage wird Rotenon im großen Stil als Pestizid (generell gegen Schadorganismen), Insektizid (gegen Insekten) und Piscizid (gegen Fische) eingesetzt. Bei einer Behandlung eines Flusses mit Rotenon sterben also nicht nur alle Fische, sondern auch im wasserlebende Insekten, die mit Kiemen atmen. Allerdings haben mehrere wissenschaftliche Studien gezeigt, dass die Insektenbestände sich wieder rasch nach einer abgeschlossenen Behandlung erholen.

Da Rotenon nicht wasserlöslich ist, wird es in einer Lösung namens „CFT Legumine" ausgebracht. Diese Lösung beinhaltet i.d.R. 3,3 % Rotenon - der Rest besteht aus verschiedenen Hilfsstoffen und Lösungsmitteln. Einige dieser anderen Stoffe haben für sich alleine genommen eine gesundheitsschädliche Wirkung, sowohl auf Tiere, als auch auf Menschen. Allerdings werden bei einer Behandlung mit „CFT Legumine“ nur so geringe Dosen ausgebracht, so dass das Flusswasser, welches „CFT Legumine“ enthält, keine Gefahr darstellt. Wir sprechen hier von einer Konzentration von 1 Mikrogramm (1 Millionstel Gramm) „CFT Legumine“ per 1 Liter Flusswasser. Um eine für einen Menschen tödliche Dosis des Wirkstoffes zu erreichen, müsste man 320.000 Liter Flusswasser per 1 kg Körpergewicht trinken – d.h., ein durchschnittlicher Mann mit einem Körpergewicht von 75 kg müsste 24 Millionen Liter behandeltes Flusswasser trinken, um an den Folgen einer Vergiftung zu sterben. Somit wird klar, dass eine chemische Behandlung eines Flusses mit Rotenon/„CFT Legumine“ kein Gesundheitsrisiko für Menschen und Tiere darstellt – abgesehen von den Fischen und Wasserinsekten natürlich.

Im Prinzip wäre es sogar möglich diese toten Fische zu essen und in einem Rotenon-behandelten Fluss zu baden (was auch teilweise gemacht wird!). Allerdings wird das Erste aus ethischen Gründen und das Zweite aus praktischen Gründen nicht empfohlen.

Um wirklich auf Nummer sicher zu gehen, dass der Bevölkerung durch diese chemische Behandlung kein gesundheitliches Leid zugeführt wird, führt der norwegische Staat vor der eigentlichen chemischen Behandlung Voruntersuchungen durch, um festzustellen, ob z.B. das Grundwasser oder Trinkwasserbrunnen durch die Behandlung betroffen werden. Dazu wird ein Mittel (früher oft eine Farbe, heute oftmals ein nicht sichtbarer aber chemisch nachweisbarer Stoff), ein sogenannter Tracer, in den Flusslauf eingebracht, dessen Ausbreitung dann verfolgt wird. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass Rotenon nicht sehr tief in das Substrat eindringt bevor es abgebaut und damit unschädlich wird, wohingegen ein Tracer sehr wohl diese Barrieren überwinden und somit nachgewiesen werde kann. Das ist aber natürlich nur von Vorteil für solch eine Behandlung.

Mit dem Bau der Fischsperre in der Driva wurde im Winter 2016 begonnen und sie soll im Frühjahr 2017 fertig gestellt werden. Diese Fischsperre wird die größte ihrer Art, sowohl in Europa, als auch wahrscheinlich weltweit. Die Breite des Dammes liegt bei über 80 Metern und die Höhe bei etwa 5 Metern. Die Verankerungsbauwerke an beiden Ufern werden etwa 45 Meter breit und etwa 10 Meter hoch sein. Zusätzlich wird eine Fischtreppe unterhalb der Sperre gebaut, die alle flussaufwärts wandernde Fische in ein Fischhaus führt. Dort werden alle Fische markiert und mit einem Gentest ihre Art bestimmt. Handelt es sich um eine Meerforelle, wird diese wieder oberhalb der Fischsperre ausgesetzt – dies stellt kein Problem dar, da Gyro langfristig nur auf Lachsen überleben kann. Handelt es sich um einen Driva-Lachs, wird dieser in ein anderes Fischhaus transportiert, um später als Besatzfisch dienen zu können. Handelt es sich allerdings um einen entflohenen Zuchtlachs oder einen Hybriden zwischen einem Lachs und einer Meerforelle, so wird dieser Fisch getötet und landet hoffentlich auf einem Mittagstisch.

 

Fiskesperre i Driva

Wenn die Fischsperre im Jahr 2017 fertig gestellt ist, muss also zuerst sechs Jahre lang gewartet werden bevor mit der Behandlung der unteren Flussstrecke begonnen werden kann. Diese wird in zwei aufeinanderfolgenden Jahren durchgeführt. In den darauf folgenden fünf bis sechs Jahren wird mit dem Besatz des Flusses begonnen um die Lachsbestände wieder aufzubauen. Der Fluss wird in dieser Zeit jährlich auf Gyro untersucht, und falls am Ende dieser Periode Gyro nicht nachgewiesen werden kann, so wird der Fluss als wieder gesund angesehen. Die ganze Behandlung wird also mindestens 13 bis 14 Jahre dauern bevor der Fluss wieder gesund ist. Danach wird die Fischsperre geöffnet, so dass sowohl Lachse als auch Meerforellen wieder ungehindert die ganzen 100 km flussaufwärts wandern können. Und damit steht einem normalen Angelbetrieb und Wassersportaktivitäten nichts mehr im Weg!

Die Flüsse Litldalselva, Usma und Batnfjordselva sind verhältnismäßig klein und stellen damit kein so großes Problem dar was die chemische Behandlung anbelangt. Im Litldalselva wird eventuell eine elektrische Fischsperre im unteren Teil des Flusses gebaut, so dass nur diese Strecke (Länge: 10 km) behandelt werden muss. Im Fluss Usma gibt es bereits eine Fischtreppe, die allerdings schon seit Jahren geschlossen ist und damit den Fischen das flussauf Wandern verhindert. Hier muss also wahrscheinlich auch nur die untere Strecke (Länge: 9 km) behandelt werden. Im Fluss Batnfjordselva ist keine Fischsperre geplant, aber die zu behandelnde Strecke beträgt hier nur etwa 12 km.

 

3. Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Parasiten

• Setzen Sie keine lebenden Fische in der Natur aus, ohne dass dies zuvor vom Regierungspräsidenten/Bezirksregierung (norw.: Fylkesmann) genehmigt worden ist

• Fisch nicht anderswo waschen oder schlachten als wo Sie ihn gefangen haben

• Benutzen Sie keine Ausrüstung in verschiedenen Gewässern, ohne sie zuvor getrocknet oder desinfiziert zu haben

• Schütten Sie Wasser, das aus einem Gewässer stammt, nicht in ein anderes Gewässer

 

4. Angelmöglichkeiten in den Jahren nach 2016 in der Drivaregion

Die norwegischen Gesetzesvorschriften sind hier ganz eindeutig was Flüsse angeht, die gegen Gyro behandelt werden: Generell ist es erst einmal verboten in diesen Flüssen sowohl zu angeln, als auch andere Wassersportarten auszuüben!

Das Norwegische Umweltamt (norw.: Miljødirektoratet) ist in Zusammenarbeit mit der der Bezirksregierung (norw.: Fylkesmannen) für die Festlegung der Angelvorschriften für die einzelnen Gewässer zuständig. Es wird in Betrachtung gezogen das Angeln unterhalb der Fischsperre von 2017 ab zu erlauben, aber zu welchem Ausmaß ist noch nicht entschieden. Diese Entscheidung wird wahrscheinlich im Frühjahr 2017 getroffen.

Das Norwegische Amt für Lebensmittelsicherheit (norw.: Mattilsynet) kann das Angeln zulassen, falls die Fischereirechtsinhaber (Fischereivereine, Grundbesitzer) notwendige Vorkehrungen organisieren, die die Ausbreitung der Infektion verhindern, einschließlich der Desinfektion von Geräten.

Jegliche Wassersportaktivitäten können erlaubt werden, falls die ausübenden Sportler durch eine schriftliche Erklärung und eine gültige Kennzeichnung ihrer Ausrüstung die notwendige Verhinderung der Infektionsausbreitung nachweisen können. Diese Plaketten werden den zukünftigen Kajakpaddlern zur Verfügung gestellt.

Bereits heute (Stand Juli 2016) gibt es mindestens drei Desinfektionsstationen sowohl im unteren als auch im oberen Teil der Driva - mehrere solche Stationen sind geplant! Sehen Sie sich dazu die Landkarte an, die sie oben rechts oder über den Link hier erreichen können.

Publisert: 19.07.2016 Sist endra: 31.10.2017


Desinfektionsstationen in der Drivaregion

Dies ist eine Landkarte, die alle Desinfektionsstationen in der Drivaregion darstellt, wo sowohl Angler als auch Paddler ihre Ausrüstung desinfizieren können. Diese Maßnahme ist im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Gyro in der Drivaregion notwendig!